Sonntag, 21. Juli 2013

Niedersächsisches Neuberliner Flachlandei in Paris // Anreise + Tag 1: Dir en grey - Tour 2013 TABULA RASA - Paris

Am Morgen des 12. Juni habe ich in Essen eine Bekannte getroffen, die mich nach Paris begleiten wollte. Wir suchten eine Weile nach dem richtigen Bus - gut gelaunt, trotz der bevorstehenden 14-Stunden-Tour. Die Fahrt ging durch die Niederlande und Belgien, bevor wir am Abend Paris erreichten.
Wir hatten es uns recht schlimm vorgestellt, aber eigentlich verging die Zeit gut. Ich bin sehr genügsam und meist beschäftigt mich schon der Blick aus dem Fenster und hin und wieder etwas Musik aus dem MP3-Player.
Der Weg von der Busstation zum gebuchten Hostel war zum Glück recht einfach und so erreichten wir relativ zügig unsere Unterkunft. Wir verbrachten die Tage im Caulaincourt Square Hostel. Das Vergleichen von Hostels in Paris kann ein wahrer Graus sein, vor allem beim Lesen von Bewertungen. Beschreibungen von Besuchern wie "Da waren Maden an der Decke" oder von Schimmel im ganzen Zimmer sind häufiger, als man glaubt. Die Bewertungen für unser Hostel waren etwas durchwachsen, aber grundsätzlich OK. Der Preis für die Übernachtungen vergleichsweise günstig. Das Hostel selbst ist recht verwinkelt und zwingt einen zu einigem Treppensteigen. Es riecht überall etwas muffig, aber nicht wirklich schlimm.
Wir hatten ein Zweibettzimmer mit Dusche gebucht, die Toilette befand sich auf dem Gang.
Unser Zimmer war wahnsinnig klein, aber da wir dort nur zum Schlafen sein würden, spielte das keine große Rolle. Es handelte sich zwar um Einzelbetten, die standen aber derart nah beieinander, dass man es doch eher Doppelbett nennen musste.
Der größte "Schock" für uns - die Tür zur Dusche fehlte.
Wir kennen uns zwar schon recht lange, aber doch nicht so, dass man voreinander duschen wollte. Zum Glück wussten wir uns zu helfen und haben den Vorhang vom Fenster mithilfe von Sicherheitsnadeln als Türersatz verwendet. So ging es dann doch und das Nichtvorhandensein der Tür der Dusche sorgte im Laufe des Urlaubs immer wieder für amüsante Momente.

Wir verließen das Hostel an dem Abend noch auf der Suche nach einem Supermarkt, wo wir uns mit Getränken und etwas Essen eindeckten. An dem Tag entstand in Paris lediglich ein Foto mit meinem Handy:


Die Treppe es Grauens - der Weg zu unserem Hostel.
Unser Hostel liegt nur wenige Gehminuten von der Sacre Coeur entfernt und damit auf dem Montmartre - dem Hügel im Norden von Paris. Daher war die ganze Umgebung voller Treppen. Ein erzwungenes Sporttraining an jedem Tag!

Der erste Abend ging ruhig zuende.

Tag 1: Dir en grey in Paris

Nach dem Frühstück, das in unserer Buchung enthalten war, machten wir uns auf den Weg zum La Cigale, der Halle in der das Konzert stattfinden sollte.


Gegen 10 Uhr kamen wir an - ursprünglich mit dem Plan die Lage zu begutachten, ein wenig durch Paris zu wandern und später wiederzukommen.
Als wir ankamen, waren maximal 40 Leute vor uns und wir haderten, ob wir nicht doch vor der Halle warten wollten. Auch für das Konzert in Paris gab es VIP-Tickets. Die wurden jedoch nicht - wie für Köln - vorher verkauft, sondern erst am Konzerttag ab 16:30 Uhr an der Halle. Eine ziemlich idiotische Regelung, wie ich finde. Denn wie sehr fühlt es sich nach VIP Ticket an, wenn man dafür am Konzerttag ewig vor der Halle ansteht? Eigentlich sollte das VIP-Ticket eine Möglichkeit sein, gerade dem Anstehen durch den früheren Einlass zu entkommen...
Nach etwas Hin und Her, entschieden wir uns trotz des schlechten Wetters vor der Halle zu bleiben und die Chance auf ein VIP-Ticket zu nutzen. Wegen des Regens waren wir schnell ziemlich durchnässt und auch das Dach an Regenschirmen half nicht wirklich gegen die Kälte.


Während der Wartezeit lernten wir wirklich nette Damen kennen und so verging die Zeit letztlich recht schnell.
Als es dann aber um den Kauf der VIP-Tickets ging, wurde es wirklich wirr und absolut bescheuert. Ein paar französische Damen hatten sich für ein Nummern-System entschieden. Jeder, der die Halle erreicht, bekommt eine Nummer. So sollte sicher gestellt werden, dass auch wirklich diejenigen die VIP-Tickets bekamen, die früh gekommen waren. Dummerweise hatten die "Damen" das ganze so toll geregelt, dass wir absolut NICHTS davon mitbekommen hatten, obwohl wir definitiv unter den ersten 30-40 Angekommenen waren. Überaus hilfreich war auch, dass die "Herrscherin" über die Zahlen so ziemlich gar kein Englisch sprach. Sie war wirklich einfach nur über alle Maßen peinlich. Ich, meine Begleitung und eine der neu kennengelernten Damen, entschieden uns, uns über das Zahlen-System hinwegzusetzen, da wir es wirklich für unfair hielten. Manche Leute, die defnitiv nicht einmal zu den ersten 100 gehörten, hatten plötzlich Nummern im 50er Bereich und ähnliche lustige Geschehnisse. Wenn so ein System vernünftig durchgezogen wird, habe ich nichts dagegen - aber so? No way.
Wie erwartet interessierten sich weder die Security-Männer noch die Ticketverkäufer für die notierten Nummern und so holten wir uns - in den Augen der "Herrscherin" unerlaubt - VIP-Tickets.
Danach begann ein sinnloses Drama deswegen. Der große Höhepunkt kam dann beim Einlass, als mich eine dezent übergewichtige Französin angriff. Sie schubste mich und schlug zu - und man kann das folgende tatsächlich den ersten Kampf meines Lebens nennen. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie fassungslos ich noch immer bin, wenn ich daran zurückdenke.
Was mich aufmuntert: bedenkt man ihr Verhalten und die Art wie sie aussahen (das betrifft die Angreiferin sowie die "Herrscherin"), muss man davon ausgehen, dass die beiden wohl kaum einen Job haben und wahrscheinlich in sehr traurigen Zuständen hausen (unsaubere, völlig abgetragene Kleidung, ungepflegte Haare etc.). 
Drinnen mussten wir auf einer Treppe erneut warten und die dicke Angreiferin stand nur ein kleines Stück von mir entfernt. Hätte sie mich erneut angegriffen, hätten sie die Security-Kräfte möglicherweise rausgeworfen, also musste sie sich zusammenreißen. Ich habe mir Mühe gegeben sie durchgehend lieb anzulächeln - was sie eindeutig rasend gemacht hat. ;D
All der Stress, den die Damen uns bereiteten, war im Übrigen total unsinnig - denn wir hatten bereits entschieden, dass wir uns einen schönen Platz auf dem Balkon aussuchen würden. Die ganze Warterei in der Kälte ließ uns Zweifeln, ob wir ganz vorne durchhalten würden und so erschien uns das als geeignete Lösung.

Zuerst reihten wir uns wieder für ein Foto mit der Band ein - diesmal lief es bei weitem besser ab, als in Köln. Die Band befand sich in einem extra Raum. Darin waren nur sie, ein Security-Mann an der Tür und Nora, die fotografierte. Der Rest der VIPs konnte nicht dabei zusehen, was die Situation schon etwas entspannter machte. Es gab wieder ein Gitter - aber zumindest verdeckt von einem Tuch und diesmal poste man nicht vor der Band, sondern konnte sich davor auf einen Stuhl setzen.
Natürlich war es wegen dem Gitter nicht perfekt - aber nach dem Alptraum in Köln eindeutig eine deutliche Verbesserung!
Ich hatte es ziemlich bereut, die Jungs in Köln nicht richtig angesehen zu haben und mir geschworen, es in Paris anders zu machen.
Als ich den Raum betrat, legte ich meine Tasche an der Seite ab, sah einen nach dem anderen in Ruhe an. Sie wirkten alle recht entspannt und locker.
Irgendwie hatte ich damit gerechnet, dass Kyo nicht gucken würde, aber er sah mich an und ich erwiederte seinen Blick den ganzen Weg bis zum Sitzplatz. Das Foto wurde gemacht, ich bin aufgestanden, habe mich verbeugt, "Arigatou" gemurmelt und wieder Kyo angesehen - der erneut auch mich ansah. Den Blickkontakt hielt ich solange es ging und verließ den Raum.
Wahrscheinlich wusste er schon 5 Minuten später nicht mehr, wer ich war - aber er hat mich angesehen. Eindeutig mich - denn sonst war da niemand. Darüber bin ich wirklich sehr glücklich.

Draußen wollte mich eine Mitarbeiterin dann Richtung Bühne schicken, aber meine Begleitung und ich wollten ja auf den Balkon. Das hat die gute Dame ziemlich aus dem Konzept gebracht. Es war wohl nicht vorgesehen, dass wir die für uns VIPs geplanten Wege verlassen, daher musste erst ein weiterer Security kommen und der begleitete uns dann bis zur Treppe, die zum Balkon führte. Wie albern, haha!
Oben suchten wir uns die besten Plätze und warteten entspannt auf den Beginn.



Schon beim Beginn des Konzerts bereute ich nicht, dafür bis nach Paris gereist zu sein. Von der ersten Sekunde an war klar, dass Kyo entspannter war, als in Köln. Er trug mehr Make-up, bewegte sich mehr und zeigte einen Hauch mehr Show.
Und so wie er alles gab - so gab das Publikum auch alles zurück. Ich kann nicht leugnen, dass ich regelrecht beeindruckt von den französischen Fans bin! Solch eine Energie und Durchhaltevermögen habe ich bisher noch nicht erlebt. Die Zugabe-Rufe verebbten nicht, wie sie es meistens tun - sie blieben konstant, bis die Band wieder auf die Bühne kam! Es wurde mitgesungen, geheadbangt und gefeiert. Wieder ging der acapella-Gesang fast ruhig über die Bühne - nur bei den INWARD SCREAMs war es leider etwas laut.
Mit der perfekten Sicht vom Balkon genossen wir die Show, sogen jede Bewegung der Band auf und sahen alles aus einem - für uns - neuen Blickwinkel. Wir nahmen Details wahr, die uns früher nicht aufgefallen waren und wurden von Kyos nie endender Performance regelrecht gefesselt. Selbst wenn er halb am Boden liegt oder im Dunkeln steht, wo ihn das Publikum kaum oder im Grunde gar nicht sieht - er erlaubt seiner Bühnenshow keine Pause. Zieht alles durch, selbst wenn er vor Blicken verborgen ist.
Wir waren wirklich beeindruckt.

Im folgenden einige Bilder vom Abend, die nicht von mir stammen. Das Copyright kann jeweils den Wasserzeichen entnommen werden.








1 Kommentar:

  1. Schöner Bericht :).
    Kann es kaum fassen, dass es wirklich eine gewagt hat handgreiflich zu werden... einfach unglaublich...hoffe das sie dich nicht in irgendeiner weise verletzt hat..

    AntwortenLöschen