Freitag, 28. Oktober 2011

Beijing Bubbles - Punk und Rock in Chinas Hauptstadt

Gestern habe ich mich mit Lisa getroffen, weil wir entschieden hatten, uns den Film "Beijing Bubbles" anzusehen. Bei dem Film, der 2004/2005 entstand und 2007 in die Kinos kam, handelt es sich um eine Dokumentation bzw. ein filmisches Portät von fünf Pekinger Bands, die Punk- oder Rockmusik machen.
Die Bands: Joyside, Hang on the Box, Sha Zi, New Pants und T9.


Die Filmvorführung fand im Konfuzius-Institut statt.


 
Regie führten bei diesem Film Susanne Messmer und George Lindt, wobei George Lindt bei unserer Vorführung anwesend war, um Interessierten im Anschluss Fragen zu beantworten und vorweg auch ein paar Dinge zur Produktion zu sagen.
Er erklärte, dass die Dokumentation ohne jede Unterstützung gedreht worden war. Die Idee dazu gewann er, als er eine Freundin in Peking besucht hatte und unter Einsatz seines Dispositionskredites wurde dann die Ausstattung etc. gekauft. Es handelt sich um seinen zweiten Dokumentarfilm.

 
Nachdem am Ende alles zusammengeschnitten worden war, hatten sie den Film auf verschiedene VHS-Kassetten kopiert und an Filmfestspiele und andere mögliche Interessenten gesendet. Es dauerte nicht lange, bis sie die erste Einladung hatten und dann ging die ganze Geschichte im Grunde seinen eigenen Weg. Sie führten den Film bei weiteren Veranstaltungen an den unterschiedlichsten Orten, wie z.B. New York, auf und schließlich schlug man vor, ihn im Kino zu zeigen.

Das Geld, das man ihnen für Werbemaßnahmen zur Verfügung stellte, verwendeten sie, um ein Plattenlabel zu gründen, mit dem sie u. a. die CDs der genannten Bands hier erscheinen lassen konnten. (Lieblingslied Records)

Die Band Joyside wurde für eine Tour nach Europa geholt und über das Leben mit dieser chinesischen Punkband in einem Tourbus ist eine weitere kleine Dokumentation entstanden, die auf dem Album Joyside als Bonus beiliegt.

 
Es ist für mich schwer, die Dokumentation selbst in Worte zu fassen. Die Musiker lassen einen nah heran, nehmen George Lindt mit zu ihren Eltern, zeigen ihre wenig schöne Wohnsituation usw.
Und man bekommt einfach das Gefühl dieser damals noch nicht wirklich vorhandenen Szene mit. Es ist schwer, sich das vorzustellen. George Lindt versuchte uns auf der Veranstaltung nach dem Film ein wenig zu erklären, wie deren Energie und Begeisterung zustande kam. Ein großer Teil europäischer und amerikanischer Musik, wurde in China erst mit Aufkommen des Internets abrufbar und bekannt. So unterteilen die Menschen dort weniger, wie wir, in 70er, 80er oder ähnliches. Für sie kam alles auf einmal.
Deswegen fehlt ihnen auch dieses Kategoriendenken, was im Film wirklich befreiend rüberkommt.
Die Musiker reden über ihre Meinungen, ihre Ansichten, über das Geld verdienen... fast alles. Ein wirklich toll gemachtes Porträt.
Deswegen war es fast eine Selbstverständlichkeit, dass ich mir im Anschluss DVD & Buch geholt habe. Sowie das Album von Joyside, auf dem auch die Europa-Tour-Doku zu sehen ist.
George Lindt hat soviel weitere spannende und tolle Dinge erzählt, die ihm auf dem Weg mit diesem Film passiert sind... Aber das sprengt hier den Rahmen.




Vielleicht noch eine kleine Geschichte, weil sie mir so in Erinnerung geblieben ist:
Der Film ist auch in China erschienen - wenn auch, wie man dort so nett sagt, "qualitätsgeprüft", was nichts anderes heißt, als das staatskritische Szenen rausgeschnitten wurden . Als George Lindt erneut in China unterwegs war, hat er in verschiedenen Shops raubkopierte Versionen seines Films gesehen. In einem dieser Shops kaufte er gleich 10 Stück und es entstand der folgende Dialog:
Händler: "Why do you buy so many?"
George Lindt: "Because I am the direcor. I produced this movie."
Händler: "Oh! Then you get one for free!"

George Lindt erklärte etwas amüsiert, dass die chinesischen Händler nur kopieren, was auch einen Markt hat und was jemand sehen will. Eigentlich ja ein positives Zeichen. Zumal unter den Kopierten auch ungeschnittene Variationen waren. Insgesamt hat er 8 verschiedene Raubkopien gefunden, die sein Vater ihm in Deutschland eingerahmt hat, als wären es goldene Schallplatten.
Natürlich hat er auch angemerkt, dass Raubkopien der Musikindustrie schaden. Gerade so kleine Bands, die wenig zum Leben haben, leiden darunter, wenn auf 1000 gekaufte CDs 360.000 illegale Downloads kommen.
Also Leute: kauft Originale. Musik ist Kunst und ihr würdet doch auch in kein Museum gehen, um dort ein Bild von der Wand zu klauen!

Für alle, die etwas Interesse haben: es gibt auch einen Shop zum Label. Hier die Adresse:
 


Wenn ihr irgendwo die Möglichkeit habt, euch die Dokumentation anzusehen, dann geht dem nach. Das ist auf jeden Fall etwas, was man nicht bereut. Natürlich teilt man nicht alle Ansichten und ein paar Dinge bleiben einem Suspekt. Aber gerade das ist doch das Schöne. Das Menschen gegen die Einheitlichkeit kämpfen und individuell sind - solang man damit niemandem schadet, ist das wirklich etwas wundervolles.

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